“Die Rueckkehr zu sich selbst” als heilende Verwandlung der defizienten Natur des habituellen Menschen in den Homilien Gregors von Nyssa Ueber das Vaterunser

Ch. Apostolopoulos (University of Ioannina)

Vendredi 7 septembre, 16h15-16h45

Wenn die Seele sich von den Emotionen befreie und zu sich selbst wiederkomme (προς εαυτήν επανελθούσα), wird sie imstande sein, ihre eigentliche Natur d.h. ihre Geistigkeit zu schauen und wie in einem Spiegel und Bild durch die eigene Schoenheit das Archetyp zu erblicken: so heisst es exemplarisch in dem Dialog des Nysseners “de anima et resurrectione” (MPG 46, 89c). Diesen Gedanken nimmt Gregor von Nyssa auch in den Homilien Ueber das Vaterunser auf: Die Rueckkehr zu sich selbst ist eins mit dem Gottesverhaeltnis, insofern diese Rueckkehr als eine Ueberwindung des βίος απολαυστικός ( or. V, GNO VII, 2:66,3) bzw.des χοιρώδης βίος ([d.h. eines Lebens, wie es die Schweine fuehren] or.II,GNO VII, 2:27,1) aufgefasst wird.

Letzteres sei merkwuerdigerweise nicht als das vorgefundene Erste,sondern selber schon aus einem Akt der Freiheit (προαίρεσις) hervorgegangen. Dieser Akt ist die Suende als in sich ohnmaechtige Sonderung des Menschen von seinem Selbst und von Gott. Die Rueckkehr zu sich selbst, m.a.W. menschliches Dasein, das zu Selbst (εαυτόν), Tugend und Gott gelangt, laesst sich demnach als Nichtentfremdetsein fassen: Nichtdeterminiertsein  vom modus vivendi der Schlange,zu der wir uebergelaufen sind,der Schlange, “welche Erde frisst,auf der Erde sich windet,auf Brust und Bauch kriecht” und die uns verfuehrt hat, das gleiche zu tun, d.h. uns irdischem Genuss voellig hinzugeben (or.V, GNO VII, 2:65, 21ff.).

In den Homilien Ueber das Vaterunser habe Gregor von Nyssa Ernst gemacht mit der neuplatonisch gedeuteten Erbsuende und der Auffassung der Welt als malum,von dem der Gerechte Abstand nehmen muss ( or.V, GNO VII, 2: 73,7ff.). Denn die menschliche Natur ist momentan nur auf das Materielle allein (προς μόνον το υλικόν: or. I, GNO VII, 2: 11, 3ff.) aufmerksam: “auf dieses richtet sich ihre Eifer, um dieses dreht sich ihr Verlangen; an dieses haengen sie ihre Erinnerung und ihre Hoffnung. Vor lauter Gier nach mehr ist die menschliche Natur schlaf- und ruhelos in bezug auf all das, was nur immer ein Mehr zulaesst: in bezug auf Ehre und Ruhm, in bezug auf Reichtum an Hab und Gut, in bezug auf die Befriedigung krankhaften Zornes. In all diesen Dingen trachtet die Natur auf jede moegliche Weise nach mehr”  (προς το πλέον: ebda.11,10). Das hat als Resultat eine Kriegssituation der Gesetzlosigkeit (ανομία: ebda. 15,19), in der alle sich gegeneinander bekaempfen muessen. In diesem Krieg aller gegen alle fuehrt die falsche Entscheidung, welche –aus αβουλία– die menschliche Natur von ihrem eigentlichen geistigen Selbst und mithin von Gott trennt.

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